Maligne Hyperthermie (MH)

Dieser Text entstand für die www.greyhound-community.com - er trifft jedoch weitestgehend auch auf die rumänischen Windhunde zu. Daher in folgendem Beitrag "Greyhound" durch "Windhund" ersetzen!

 

Allgemeine Beschreibung lt Internet:

Maligne Hyperthermie (MH) ist eine genetisch bedingte, lebensbedrohliche Stoffwechselerkrankung der Skelettmuskulatur, die bei Hunden, insbesondere bei Greyhounds und anderen Windhunden, nach der Verabreichung bestimmter Narkosemittel auftreten kann.

Die Symptome sind eine schnelle Erhöhung der Körpertemperatur (oft über  40 °C), schneller Herzschlag, Muskelstarre und erhöhte CO2-Produktion.

 

 Zusammenfassung von Dr. Barbara Koller

vollständige Präsentation:

 

Allgemeines

Maligne Hyperthermie (MH) ist eine ernsthafte Komplikation bei der allgemeinen Narkose,

die zum Tod führen kann. Sie ist eine genetische Krankheit der Skelettmuskel

Betroffenen Hunde haben keine klinischen Anzeichen, solange ihnen keine auslösenden

Substanzen verabreicht werden

Auch 30 Jahre nach der Erstbeschreibung ist die Maligne Hyperthermie eine gefürchtete

Narkosekomplikation beim Menschen.

 

Die maligne Hyperthermie wurde auch bei zahlreichen anderen Tierarten wie

beispielsweise Katzen, Kaninchen, Pferden und Rindern beschrieben und eben auch beim

Hund.

 

Genetische Veränderung

Sechs verschiedene Genorte auf verschiedenen Chromosomen konnten

bislang mit der malignen Hyperthermie in Verbindung gebracht werden.

 

In über 80% der Fälle ist eine Punktmutation des Ryanodin-Rezeptor codierten Gens RYR1

auf Chromosom 19 ursächlich beteiligt. Durch den Basenaustausch von einem Thymin

durch ein Cytosin innerhalb des Gens an einer wichtigen, (sogenannten konservierten)

Position, kommt es zu einer gestörten Funktion des Ryanodinrezeptors. Der Ryanodin Rezeptor bildet einen Teil des Kalziumfreisetzungskanals im sarkoplasmatischen Retikulum.

 

Im Falle, einer Mutation im Rezeptor, kommt es nach dem Kontakt mit der auslösenden Substanz (Triggersubstanz) zur unkontrollierten Freisetzung der Kalziumionen Ca2+ aus dem

sarkoplasmatischen Retikulum und Störung der Wiederaufnahme der Kalziumionen.

Dieses wird nun unkontrolliert freigesetzt und die erhöhte Kalziumkonzentration in der Muskulatur kann nicht mehr ins Gleichgewicht gebracht werden. Dadurch kommt es zur verlängerten Muskelkontraktion ohne Muskelrelaxation und zu extremen Ansprüchen an O2, übermäßiger Produktion von CO2 und Wärme (Hyperthermie) als Antwortreaktion des  Organismus die Kalziumionen wieder aufzunehmen.

 

Patienten mit einer Central-Core-Myopathie können ebenfalls eine MH-Disposition aufweisen. Diesen seltenen Muskelerkrankungen liegen häufig Mutationen des RYR1-Gens zugrunde. Ebenso wie der periodischen hypokaliämischen Lähmung oder der  kaliumsensitiven Myotonie.

Es gibt Evidenz dafür, dass eine Disposition für einen durch Sport ausgelösten Hitzschlag und

Maligne Hyperthermie auf dieselbe genetische Anlage zurückzuführen ist.

 

 

Triggersubstanzen

Inhalationsnarkotika (Halothan, Isofluran, Sevofluran, Desfluran, Enfluran)

depolarisierende Muskelrelaxantien (Succinylcholin)

Hitze

Streß jeglicher Art!

 

Symptome

Die betroffenen Hunde haben keine klinischen Anzeichen, solange ihnen keine auslösenden Substanzen (sog.Trigger) verabreicht werden. Nicht jeder Hund muss beim Erstkontakt mit

einer Triggersubstanz reagieren –d.h. eine einmal problemlos überstandene Narkose ist

kein Beweis, dass der Hund MH-negativ ist. Diese kann sich auch erst nach dem 4./5.

Kontakt mit der Triggersubstanz manifestieren.

 

Die klinische Symptomatik kann sich auf einzelne Muskelgruppen beschränken (z.B. Masseterspasmus) oder die gesamte Skelettmuskulatur erfassen (fulminante Krise).

Bei der Verabreichung von flüchtigen Narkosemitteln und muskelentspannenden

Medikamenten oder auch durch eine starke Kraftanstrengung oder Hitzestress kommt es

zu einem krankhaften Ansteigen der Kalziumkonzentration in der Skelettmuskulatur

Steigt die Ca2+Konzentration über die mechanische Schwelle, entsteht eine Muskelkontraktur, ein Spasmus.

Es kommt zu Zellschädigungen und zu Austritt intrazellulärer Bestandteile wie Kalium, Myoglobin und Kreatinkinase.

Das ganze kann lokal begrenzt und generell auftreten. (fulminante Krise)

Vor dem Einsetzen der erhöhten Muskelspannung kann es zu besonders intensiven und lange andauernden Zuckungen der Muskulatur kommen.

 

Eine fulminante MH-Krise ist nicht allein durch diese Muskelsymptome, sondern auch durch die

Auswirkungen auf den Gesamtorganismus gekennzeichnet

 Azidose,

 CO2 Anstieg

 Herzfrequenzerhöhung

 Blutdruck sinkt rasch ab

 Hypoxie,

 Hyperkaliämie

 Hyperthermie

 unbehandelt führt die MH durch rasches Fortschreiten der Symptome meistens zum Tod.

 

Ohne geeignete Gegenmaßnahmen kommt es selbst nach dem Abschalten der reizauslösenden Faktoren zu einem weiteren Abfall des Blutdrucks, unregelmäßigem Puls gefolgt

von Herzstillstand mit tödlichem Ausgang.

 

Die Vererbung der malignen Hyperthermie beim Hund erfolgt autosomal dominant.

Das bedeutet, dass bereits eine einzige veränderte Genkopie ausreichend ist, um eine maligne

Hyperthermie zu entwickeln.

 

Aufgrund dessen, dass MH-betroffene Tiere ohne klinische Symptome sind, kann es durchaus sein, dass die MH über die gesamte Lebenszeit nicht diagnostiziert wird. Umso wichtiger ist es, Merkmalsträger durch die genetische Testung zu identifizieren.

 

Bei dominanten Erbgängen, reicht bereits das Vorhandensein einer einzelnen veränderten

Genkopie des RYR1-Gens aus, um an maligner Hyperthermie zu erkranken.

Der Defekt wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % an die Nachkommen weitergegeben.

Selbst durch die Verpaarung mit einem MH- freien Hund, gehen zu 50 % Merkmalsträger

(affected) aus der Zucht hervor. Dementsprechend ist von solchen Verpaarung

dringend abzuraten.

 

Nachfolgende Genotypen können gegeben sein

 

N / N

MH-frei (clear)

Der Hund besitzt 2 normale Gene und kann kein krankes RYR1-Gen an seine Nachkommen weitergeben.

 

N / MH

MH-Merkmalsträger (affected) Der Hund besitzt 1 normales und 1 verändertes RYR1-Gen. Die Veränderung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Reizauslösung zu

Krankheitssymptomen führen.Das veränderte Gen wird mit 50%iger Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen weitergegeben.

 

MH / MH

MH-Merkmalsträger (affected) Der Hund besitzt 2 veränderte RYR1-Gene. Die Veränderung wird unter Reizauslösung zu Krankheitssymptomen führen. Die veränderten Gene werden mit 100%iger

Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen Weitergegeben

 

Therapie

Stressreduktion

v.a. praeoperativ, aber auch im täglichen Umgang mit dem Hund

Im Falle einer Narkose Sofortige Beendigung der Anästhesie !!!  Kühlen des Organismus (cave: OP-Leuchten, Metalltisch!)

 

Verabreichung von Dantrolen i.v. (Antidot)

Dantrolen hemmt die Ca2+-Ausschüttung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum im Muskel

und wirkt der Störung direkt am Entstehungsort entgegen. Dadurch wird der Nervenreiz und die

Kontraktion des Skelettmuskels entkoppelt. Primäre Erregbarkeit und Nervenübertragung

wird nicht beeinflusst.

 

Durch die MH kommt es zu einer verstärkten Calcium-Freisetzung und einer verminderten

Calcium-Speicherung und damit zu einem plötzlichen Calcium-Anstieg in der Muskelzelle.

Das führt zu einer Stoffwechselsteigerung und zu einem Säureanstieg.

Dantrolen hemmt die Calcium-Freisetzung in der Muskelzelle. Dadurch wird eine maligne

Hyperthermie wieder rückgängig gemacht oder Abgemildert

 

Damit das Mittel wirkt, muss es so früh wie möglich eingesetzt werden. Die Calcium-Speicher der Muskelzelle dürfen noch nicht vollständig entleert und die

Muskeldurchblutung muss noch ausreichend sein.

Durch rechtzeitige Gabe können fulminante Krisen durchaus erfolgreich behandelt werden.

Dennoch ist die MH nach wie vor eine häufige Ursache des Narkosetods

(80% Mortalität)

 

MANAGEMENT:

 Erkennen der MH-betroffenen Tiere mittels Gentest!

Bei den mit MH betroffenen Hunden müssen alternative Anästhetika gewählt werden

(KEINE Inhalationsnarkosen!)

Ruhige und überlegte Prämedikation, präoperativ

 

Belastung bei Hitze ist zu vermeiden (Wärmelampen bei der OP!)

Vorsicht bei Belastung v.a. in den Sommermonaten, bestimmte Futtermittel können ebenfalls eine

MH auslösen – z.B. Echter Hopfen!  Deshalb auch Vorsicht bei versch. Beruhigungspräparaten (Baldrian und Melisse sind oft mit Hopfen kombiniert)

 

Konsequenzen

MH tritt an sich selten auf (1: 3000) die Dunkelziffer liegt allerdings weit höher, eben weil MH Träger gesund sind, solange sie nicht mit Triggersubstanzen konfrontiert werden.

 

Quelle: Dr. Barbara Koller

 

Es werden bei verschiedenen Laboren Tests dazu angeboten:

z.B.

https://www.feragen.at/wp-content/uploads/MH.pdf

 

ABER:

Quelle The Greyhoundshow

„Über das Vorkommen der für „𝗠𝗮𝗹𝗶𝗴𝗻𝗲 𝗛𝘆𝗽𝗲𝗿𝘁𝗵𝗲𝗿𝗺𝗶𝗲“ verantwortlich gemachten Gen-Variante des RYR1-Gens beim Greyhound liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Der MH-Test ist / war Bestandteil verschiedener Panel-Tests (z. B. MyDogDNA, Embark), wurde aber bei einigen Anbietern inzwischen aus dem Angebot entfernt, da er sich als nicht valide herausgestellt hat. Auf diesen Test sollte man daher besser verzichten, da er – wenn überhaupt – nur falsche Sicherheit hinsichtlich des MH-Risikos bei Greyhounds liefert. Wenn man dieses wirklich einschätzen möchte, bleibt einem wohl oder übel derzeit nur die Muskelbiopsie.“

 

Weiterführende Informationen

https://flexikon.doccheck.com/de/Maligne_Hyperthermie

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