
Liebe Windhundfreunde,
wie sagt man so schön: aller Anfang ist schwer. So trage ich mich seit zwei Wochen mit dem Gedanken, in welcher Form solch eine Rasserepräsentation aussehen könnte. Wir alle haben im Wesentlichen den gleichen Interessensschwerpunkt, bei genauerer Betrachtung stellen sich jedoch recht unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen heraus.
Ich wurde von Michaela Müller angeschrieben, ob ich Lust dazu hätte, einen Beitrag zur Abgrenzung bzw. Differenzierung von „rumänischen Windhunden“ zu den verschiedenen Windhundspezifikationen - in unserem Fall dem Barsoi - zu schreiben. Es ist für mich als Züchterin ein sog. „heißes Eisen“, da ich mich keinesfalls in Konkurrenz zur Vermittlung von (Wind-) Hunden aus dem Tierschutz sehen möchte. Meine beste Freundin, die sehr engagiert im Tierschutz tätig ist, muß auch immer ein Auge zudrücken, da derzeit lediglich Tiere mit Ahnentafel bei uns leben. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir nicht irgendwann nochmal einen spanischen Galgo bei uns aufnehmen werden.
Wie Sie selbst bestimmt schon erlebt haben, kommt man beim Thema Windhund schnell von der einen zur anderen Ebene, anders ausgedrückt, es gibt so viel Spannendes zu erzählen und es überrascht dann wenig, dass man Schwierigkeiten hat, den roten Faden zu behalten. Ich habe lange überlegt, was ich Ihnen anbieten möchte und mich dazu entschieden, dass ich den theoretischen Teil relativ knapp gestalten werde, da es nach meiner Einschätzung häufig viel interessanter ist, Erfahrungsberichten zu folgen, um daraus seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Zudem möchte ich Sie mit einigen Fotos erfreuen, da bestimmt nicht nur ich von der Erscheinung eines Barsois fasziniert bin …
Diesen Satz möchte ich nun als Überleitung benutzen, um Ihnen auszugsweise die Geschichte und den Standard des Barsois nahezubringen. Der Barsoi (Russkaya Psovaya Borzaya) ist ein russischer Jagdwindhund - borzoi bedeutet sinngemäß: schnell, flink, wendig – der zwar zu den europäischen oder westlichen Windhunden gehört, vom Charakter her jedoch eher den orientalischen bzw. östlichen Windhunden ähnelt. Das bedeutet, dass sich der Barsoi der eindeutigen Zuordnung von okzidental und oriental entzieht. Nach meiner Einschätzung hat das in Anteilen damit zu tun, dass der Barsoi im Prinzip das Ergebnis einer Mehrrassenkreuzung ist.
Die Geschichte des Barsois geht bis ins 14. Jhd. zurück, dem Koutsi, einem mongolischen Jagdwindhund arabischen Ursprungs und dem Loshaya, einem außerordentlich kräftigen Hund, der in Russland zur Jagd eingesetzt wurde, wobei dann durch Verbindungen dieser zwei Rassen die ersten, dem heuigen Barsoi ähnlichen Hunde entstanden. Die weitere Entwicklung des Barsois wurde wiederum durch die Einkreuzung von sehr robusten Berg- und Krimwindhunden und dem Chart Polski bezüglich seines attraktiven Äußeren wegen erweitert.
Als Resultat können wir eine nicht homogene Gruppe von Jagdwindhunden erkennen, die den Anfang der Rasse Barsoi gebildet haben. Erst Ende das 19. Jhd. wurde ein erster Standard (N. P. Jermolov, 1888) eines Hundes entwickelt, der sich noch stark hinsichtlich des Typs und seines (Arbeits-) Verhaltens von dem uns heute bekannten Barsoi unterschied. Dieses Problems nahm sich die sog. „Kaiserliche Gesellschaft zur Verbreitung der Jagdhunde“ in Russland an, was meines Erachtens nach sehr schön an den sog. Perchino-Zwingern des Großfürsten N. Nikolajewitsch zu beobachten war, dessen Jagd durch den Einsatz des Barsois zu einer einzigartigen Entfaltung kommen konnte.
Keine andere Windhundrasse war über die Jahrhunderte in ihrer Entstehung und Vervollkommnung so eng mit der wechselvollen Geschichte Russlands verbunden wie der Barsoi. Als dann 1917 die Oktoberrevolution die Existenz von Zarenherrschaft und Großgrundbesitzertum aufgelöst hatte, kam es zu einer drastischen Einschränkung der Barsoizucht, die, zumindest in Russland, fast zu ihrer völligen Zerstörung geführt hat. Zum Glück hatte die Rasse Barsoi in Europa und den USA bereits neue Anhänger gefunden und wurde mit russischen Importen erfolgreich weitergeführt. 1892 wurde der erste Barsoi-Club Deutschlands in Berlin gegründet; dabei handelt es sich um den Vorläufer des heutigen DWZRV, der somit durch den Barsoi ins Leben gerufen wurde. Der Barsoi galt zu dieser Zeit als das Sinnbild des Windhundes schlechthin. Es war nicht mehr seine Zweckmäßigkeit, die im Vordergrund stand, sondern seine äußeren Vorzüge, die sich bis zur Vollkommenheit zu entwickeln schienen. Dabei entfernte man sich jedoch radikal von seiner ursprünglichen Aufgabe der Jagd.
Um wieder ins Hier und Jetzt zu kommen bzw. ein wenig Realitätsnähe zu zeigen, möchte ich an dieser Stelle den historischen Abriss beenden und kurz beschreiben, wie ich mich in der Schreibpause gerade gefühlt habe. Wir sind vor einiger Zeit an die Ostsee gezogen (Nähe Wismar) und haben einen Großteil des Grundstücks jetzt eingezäunt. Da der Weg dorthin noch nicht abgesichert ist, muss ich unsere vier Hunde, drei Barsois und einen Greyhound, an der Leine dorthin führen. Vier Riesen, die zusammen mein Körpergewicht verdoppeln, könnten mich in kürzester Zeit „aus den Latschen“ hauen … Herzklopfen … keine Katze in Sicht … alles gut gegangen. Aber dazu später mehr …
Nach meinem Gefühl würde eine detaillierte Abbildung des Rassestandards an dieser Stelle zu einer fast langweiligen Überfrachtung des Artikels führen, so dass ich mich dazu entschlossen habe, lediglich einige wichtige Abschnitte wiederzugeben. Es steht natürlich jedem Interessierten frei, sich ausführlich im Netz darüber zu informieren. Sie werden eine Menge an Informationen finden, die sich teilweise angleichen und auch widersprechen. Das führt zu Irritationen und Unsicherheit. Ich kann Ihnen aus Erfahrung berichten, dass selbst Richter einen recht unterschiedlichen Blick auf die ihnen wichtigen Details entwickelt haben.
Ich habe für mich daraus gelernt, dass es sich nicht lohnt, darüber in Streit zu gelangen, da es nach meiner Einschätzung auch heute noch große Typ-Unterschiede gibt, die mit der züchterischen Weiterverfolgung bestimmter Blutlinien zu tun haben wird. Auch diesen Aspekt werde ich im Folgenden anhand von Beispielen näher erläutern.
Nun zum FCI-Standard (Federation Cynologique Internationale), der die weltweite Struktur in der Hundezucht prägt und kontrolliert. In Deutschland gibt es den VDH (Verband für das deutsche Hundewesen e. V.), der der FCI angeschlossen ist. Der DWZRV (Deutscher Windhund-Zucht und Rennverband e. V.) wiederum ist dem VDH als Spezialrassen-Verband untergeordnet. Ich erwähne das hier, damit deutlich wird, dass die Ausstellung von Ahnentafeln einem komplexen System unterliegt und ein Züchter eine Menge an Formalien erfüllen muss, ehe er überhaupt mit der Zuchtplanung beginnen kann.
Ein wesentliches Merkmal des Barsoi-Standards stellt seine harmonische Gesamterscheinung dar. Sie steht in der Wertigkeit an erster Stelle und meint die imposante Erscheinung, die sich hochbeinig, schlank und recht ausgreifend im Gangwerk darstellt. Mit meinen Worten gesagt, es ist einfach eine Freude, einen Barsoi in seiner Bewegung zu beobachten. Aber auch hier sei erwähnt, dass es im Prinzip keinen einheitlichen Standard gibt, der objektivierbar wäre.
Sie können sich sicherlich vorstellen, dass dieses (leider) was Ausstellungsergebnisse betrifft, stark in der Einschätzung durch den jeweiligen Richter variiert. Mein Mann kann bis heute nicht verstehen, dass unsere Iva vor Jahren einen (nur) vierten Platz errungen hat in der Konkurrenz zu einer Gewinnerin, die wahrlich nicht dem optimalen Schönheitsideal entsprochen hat. Ich kann für mich sagen, dass ich heute, nach acht Jahren Leben mit Windhunden begriffen habe, dass das einfach passiert. Ich möchte mich da weiterer Erklärungen enthalten, da es zu nichts führt.
Wenn ich einen Barsoi mit FCI-Papieren sehe, dann sollte man davon ausgehen können, dass dieser der Norm entspricht, was jedoch nicht immer selbstverständlich ist, da es Aussteller gibt, die versuchen, auch gröbere Mängel zu vertuschen. Da es in der Zucht nicht nur um den finanziellen Aspekt geht, sondern nach meinem Erleben, eher der Bereich der Anerkennung im Vordergrund steht, handelt es sich mitunter um recht angespannte Situationen, die durch Konkurrenz geprägt sind. Das Verbindende ist zum Glück jedoch die Liebe zur Rasse, die, wie ich oft gespürt habe, in der Lage ist, Brücken zu schlagen, um erneut auf die Gemeinsamkeiten zu schauen, verknüpft mit dem Wunsch, gesunde und widerstandsfähige, liebenswerte und wunderschöne Hunde zu züchten.
Wie wir eben schon gehört haben, geht es in erster Linie um die Gesamterscheinung des Barsoi, der durch seine imposante Größe
Rüden (75 – 85 cm Wristhöhe) – Hündinnen (68 – 78 cm),
sein reiches Haarkleid
lang und seidig, gewellt oder gelockt; reichhaltiges Schmuckhaar an Hals, Unterbrust, Hinterseite der Vorderläufe, Hinterschenkeln und an der Rute
und um die die Schönheit der Farben
d.h., alle Farbvariationen von weiß bis schwarz, in Kombination mit Rot, in Platten oder gestromt, sind erwünscht und akzeptabel, mit Ausnahme von Braun, Blau und deren Schattierungen (sog. verdünnte Farben ohne schwarzen Nasenschwamm).
Im Standard sind natürlich auch Aspekte der fehlerhaften Struktur aufgeführt, wie zum Beispiel Zahnfehler, Knickruten, Stellung der Vorder- und Hintergliedmaßen, Pigmentierung, grobschlächtige Gesamterscheinung, sowie abweichendes, aggressives Verhalten oder auffällige Ängstlichkeit. Wie schon gesagt, falls Sie sich weiterführend informieren wollen, gibt es genügend Literatur, um sein Wissen zu vervollständigen.
Wie sie vielleicht schon ahnen, handelte es sich bei meinem Freund um einen Menschen mit „Tiefgang.“ Er hat viel von dem Land, in dem sein Vater nun lebte erzählt, hatte recht idealisierte Vorstellungen von seinen russischen Wurzeln und dazu gehörte nach seiner Einschätzung auch ein Barsoi, von dem ich bis dahin noch nie gehört hatte.
Nun gut, das Leben geht weiter und jeder von uns ist seinen persönlichen Weg gegangen. Aber der Gedanke an den Barsoi, diese Sehnsucht in den Augen, an die ich mich noch heute erinnern kann, hat auch mich nie ganz losgelassen und den Wunsch genährt, einen solchen mal real erleben zu dürfen. Viele Jahre später habe ich eher zufällig eine Windhundausstellung besucht und siehe da, dieses ach so faszinierende Wesen stand auf einmal vor mir. Ich war beeindruckt, verliebt, entzückt; ein schwer zu beschreibendes Gefühl, was noch heute einen Raum in mir einnimmt. Ich hatte plötzlich nur noch einen Wunsch, dieses elfengleiche Wesen zu berühren. Es war ein rot-weißer Rüde, der mich mit seinen Augen, die mir wie tiefe Täler vorkamen, neugierig betrachtete. Heute weiß ich, dass das nicht selbstverständlich ist, da ein Barsoi auch recht abweisend und fast arrogant sein kann. Es ist, wie bei fast allen Windhunden zu beobachten, für einige Menschen eine große Enttäuschung bzw. Kränkung, da es hier keine, für viele Hunde eher typische, Unterwürfigkeit gibt. Sie sind bisweilen selbstgefällig und leben in ihrer eigenen Welt.
Es mussten jedoch noch viele Jahre vergehen, bis ich mir selbst einen Barsoi zulegen konnte. Da gab es zunächst den Versuch, eine Galga aus dem Tierschutz zu adoptieren, die ich leider - ich hatte mich für eine gestromte, etwas ältere Galga entschieden - nicht bekommen habe, da ich derzeit Single war und kein Haus mit eingezäuntem Garten vorweisen konnte. Die Enttäuschung war riesengroß und ich war sehr traurig, da ich ihr „versprochen“ hatte, sie zu holen. Wer einmal in solch einer Auffangsstation war, kann sicherlich nachempfinden, wie ich mich gefühlt habe. Ich habe lange gebraucht, bis dieses Erleben in den Hintergrund getreten ist.
Den entscheidenden Schritt, ernsthaft nochmal nach einem Vierbeiner zu schauen, gab es erst, als ich meinen jetzigen Mann kennengelernt habe, der mit Hunden aufgewachsen ist, was bedeutet, dass er es nie in Frage gestellt hat, ob es richtig ist, einen Windhund bei uns aufzunehmen.
Auch wir zwei sind auf Ausstellungen gegangen und haben, da es mein größter Wunsch war, nach Barsois Ausschau gehalten. Doch manchmal kommt alles anders, als man denkt. Wir haben dann eine Züchterin besucht, die Barsois und Greyhounds züchtete, uns Barsoiwelpen angeschaut und uns vorgenommen, alles so zu strukturieren, dass es passt. So kam es dann in der Folge dazu, dass alle Barsois verkauft waren und wir uns dann zu einem Wurf allerliebster Greyhoundwelpen gesetzt haben, was nicht ohne Folge blieb. Die kleine Fee zog einige Wochen später bei uns ein und hat mich, im wahrsten Sinne des Wortes, an meine Grenzen gebracht.
Anknüpfend an den Absatz vorher, möchte ich hinzufügen, dass mein Mann und ich, nachdem wir im Jahr darauf endlich ein Barsoi-Mädchen gefunden hatten, schon hin und wieder etwas überfordert waren mit dem Zusammenleben der zwei Windhunde. Jeder für sich gesehen – ein Traum – und zusammen? Eine brisante Mischung.
Aber kommen wir nochmal zu Rockall, so heißt der Rüde offiziell (die Stammbaumbezeichnung mit Titel ist natürlich noch länger aber spielt hier keine Rolle); er kommt aus Schweden und ist, wie wir dann später feststellen mussten, ein recht ursprünglicher Vertreter seiner Rasse. Verglichen mit Iva, die eine sehr sanfte Ausstrahlung hatte, durchgezüchtet nach westeuropäischen Maßstäben, ist Rocky, wie wir ihn nennen, ein typischer Rüde, dem man mit dem gehörigen Respekt begegnen sollte. Es gibt also auch Blutlinien, die vom „Zuchtmaterial“ her in der Lage sind, in den Weiten der osteuropäischen und westasiatischen Länder ihrem Jagdinstinkt erfolgreich nachgehen zu können.
Ich möchte an dieser Stelle nochmal deutlich machen, dass der ursprüngliche Barsoi, der in Russland zunächst in großen Zwingern zu mehreren hundert Hunden gehalten und gezüchtet wurde, schwerpunktmäßig zur Jagd ausgebildet und eingesetzt wurde.
Der Barsoi war sogar in der Lage – in der Regel in seiner Meute - einen Wolf zu töten.
Die Meute hat sich quasi in einer Art Arbeitsteilung die Beute zugespielt und gestellt. In den meisten Fällen ging es wohl eher nur soweit, dass der Wolf handlungs- und bewegungsunfähig gemacht wurde und die Jäger und deren Helfer ihn dann letztendlich erlegt haben.
Die Beschäftigung mit diesen historischen Überlieferungen ist nicht so leicht auszuhalten, da in vielen Fällen auch ziemlich detailliert beschrieben wird, wie der junge Barsoi trainiert wurde.
In Russland war und ist es noch heute nicht unüblich, Lebendbeute in den Zwinger zu geben, um die Jungtiere schon mal an die Jagd heranzuführen. In der heutigen Zeit handelt es sich dabei eher um Hasen und Füchse, was nach meiner Einschätzung ebenfalls nicht einer gewissen Grausamkeit entbehrt.
Die Jagd mit dem Barsoi wird in Russland und in einigen osteuropäischen Ländern als völlig normal angesehen. Ich habe schon viele Bilder gesehen, auf denen die Trophäe stolz erhoben gezeigt wird. Nun ja, man könnte darüber streiten, welche Methoden fairer sind. In diesem Fall hat der Hase eine Chance gehabt, wobei er der Kugel aus dem Gewehr eines erfahrenen Jägers kaum entkommen könnte.
Zu erwähnen bleibt, dass diese ausgeprägten Jagdeigenschaften natürlich auch züchterisch weiterverfolgt werden müssen, was bedeutet, dass der Schwerpunkt in der Zucht auf der Vervollkommnung des Hetz- und Jagdtriebes liegen wird.
Das ist sicherlich ein heikles Thema, aber wert, es anzusprechen. Ein Barsoi ist dem Menschen gegenüber meist freundlich, eher zurückhaltend, manchmal neugierig bis aufdringlich, aber in den seltensten Fällen reagiert er aggressiv.
Das kann man bei Sichtung von Beute nicht gerade behaupten. Man darf niemals vergessen, dass der Barsoi ein Jäger ist und es uns nur unter ganz bestimmten Umständen möglich macht, ihm Freilauf zu gewähren.
In den westeuropäischen Ländern und den USA wird diese Fähigkeit gern im Windhundsport - auf der Rennbahn und beim Coursing – ausgetragen.
Da wir viel an der Ostsee am Strand sind, sehen meine Fotos häufig trügerisch idyllisch aus. Es ist jedoch jedes Mal eine Herausforderung für die Psyche, sie wirklich loszulassen. Barsois reagieren recht unterschiedlich. Wenn man Glück hat und er/sie es in ihrer Sozialisation erfahren hat, dann ist das Leckerlie in der Tasche ein willkommenes Geschenk zum Zurückkommen. Das klappt aber nicht immer. Ist ein anderer Hund in der Nähe, wird der erstmal – oft zum Leidwesen der Besitzer - begrüßt dann rennt man weiter ins nächste Dorf, läuft in den Bäckerladen und bettelt … ja, so habe ich es mit Rocky erlebt, wobei mir dabei so gar nicht zum Lachen war, da ich nicht im Geringsten ausmachen konnte, wo er war. Er hat sich dann letztendlich am Hafen zu den Fischern gesetzt, die mich dann schmunzelnd empfangen haben mit: Hier ist er … der wartet schon auf dich.
Auch ich kenne Phasen, wo wir nur mit den Hunden spazieren gehen konnten. Dabei sind mir jedoch mehrfach Missgeschicke passiert, die auch Konsequenzen hatten.
In der Zeit, als unser Haus noch nicht fertig war, haben wir mit den Hunden übergangsweise in einer kleinen Wohnung auf der Insel Poel gewohnt. Das war alles sehr idyllisch und kuschelig eng, strandnahe, man hatte Lust, spazieren zu gehen, doch ich allein mit zwei Hunden konnte diese leider zweimal nicht halten und es kam zu unschönen Begegnungen mit Katzen.
Ich möchte es nicht beschönigen; sie haben es nicht überlebt und die zweite getötete Katze hat dazu geführt, dass - als Auflage des Ordnungsamtes - Rocky nur noch mit einem Beißschutz ausgeführt werden darf.
Ich berichte das nicht gerne, aber es gehört auch dazu.
Eine andere Begebenheit gab es innerhalb der Wohnung, als ich zum Lüften die Terassentür offen gelassen hatte und zwei Meisen, die zu Besuch gekommen waren, dieses leider nicht überlebt haben.
Eine mir noch tief in Erinnerung sitzende Geschichte wäre noch zu erwähnen, dass ich bei einer damals befreundeten Züchterin miterleben mußte, wie ein Barsoirüde, der einen Knochen sein Eigen nennen wollte, eine noch kein Jahr alte Greyhoundhündin so schwer verletzt hat, dass sie notoperiert werden mußte.
Wenn wir nicht so schnell reagiert hätten, wäre sie an den Folgen seines Bisses verstorben.
Barsois erscheinen uns manchmal wie kleine „Einhörner,“ sind jedoch in der Lage, blitzschnell zu töten. Im Prinzip kann man sagen, der Greyhound jagt und hetzt, hält die Beute fest, aber der Barsoi macht den finalen Biss.
Literaturangabe:
Ingeborg und Eckhard Schritt: Windhunde – Expertenrat für den Hundehalter, 1991
Dorothee Dahl: Windhunde – Schnell – Sanft – Liebenswert, 3. Auflage, 2015
DWZRV e.V.: Unsere Windhunde, 01/2024
FCI, Secretariat General: FCI-Standard 193 Russkaya Psovaya Borzaya, 2020
Wer sich für historische Daten interessiert und sich über das Wesen des Barsois weiter informieren möchte, dem kann ich noch eine recht aktuelle Leseempfehlung geben und zwar in der Zeitschrift „Unsere Rassehunde“, Hrsg.: VDH, Ausgabe: 2/2024.
