Hortaya

Geschichte

Windhunde waren die einzigen Jagdhunderassen, die traditionell für die Jagd auf Hasen, Füchse, Wölfe, verschiedene Antilopen und kleine Hirsche in den weiten Steppengebieten Südrusslands und der Ukraine eingesetzt wurden. Herodot schrieb bereits im IV. Jahrhundert v. Chr., dass die Skythen Jagdhunde benutzten, die verschiedene Wildarten jagten und fingen.

 

Die Skythen lebten in dem Gebiet, das heute die Ukraine und Südrussland ist. Die Kelten lebten in einem breiten Gürtel von den britischen Inseln bis nach China und züchteten vor 2 Jahrtausenden Windhunde; ein Teil ihres Territoriums ist das heutige Russland und die Ukraine.  Dieses Gebiet ist etwa 1.150.000 Quadratkilometer groß (1600 km von der Ostukraine bis hin zur Wolga und etwa 700 km von Orel, Tambov, Samara im Norden bis zum Kaukasus im Süden). Nur wenige ursprüngliche Windhundrassen jagen hier heute noch, ohne dass es zu ernsthaften historischen Brüchen gekommen ist. Dieses Gebiet ist der natürliche Lebensraum des Hortaya. 

 

Der Hortaya ist also gleichzeitig eine asiatische, ost- und mitteleuropäische Hunderasse, die sich über Jahrhunderte in den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres entwickelte. Hunde dieses Typs wurden von verschiedenen Völkern dieser Regionen gezüchtet, daher ist es unmöglich, diese Rasse einem bestimmten Volk oder Land zuzuordnen. Hortaya gelten als das Bindeglied zwischen den zentralasiatischen Windhunden und den westlichen Wind- und Jagdhunderassen, die in der Nähe der polnischen Grenze gezüchtet wurden.

 

Der Hortaya ist der am weitesten verbreitete Jagdhund in diesem riesigen Gebiet und eine der ältesten, natürlich selektierten und robusten Windhundrassen. Psovaya Borzaya (der Borzoi) wurde in den nördlichen Gebieten von seiner Grenze historisch später in der Zeit entwickelt; Stepnaya Borzaya wurde im südlichen Teil vor dem 20. Jahrhundert aus zwei verschiedene Rassen geformt: Krymskaya Borzaya in der Südukraine und Gorskaya Borzaya in Südrussland nahe dem Kaukasus. Es gibt ein Gebiet des Tazy weit im Osten über der Wolga. Historisch gesehen hatten alle diese Rassen einen Einfluss auf die Entwicklung der jeweils anderen. 

 

Der westliche polnische Teil der Hortaya-Population war als der alte, historische Chart Polski bekannt, der im frühen 20. Jahrhundert fast ausgerottet worden war und zurückgezüchtet werden mußte. Der ungarische Magyar Agar ist ebenfalls eine verwandte Rasse. Die kulturellen und politischen Kontakte zwischen diesem Verbreitungsgebiet und der tatarischen, arabischen und türkischen Welt waren lange Zeit sehr eng. 

 

1951 wurde in der Sowjetunion der erste Rassestandard verabschiedet. Heute unterhält der Russische Kynologische Verband (RKF), der nationale russische Hundezuchtverband und Mitglied in der FCI, offiziell den Standard. Derzeit gibt es weltweit etwa 2.500 bis 3.500 Hortaya, von denen nur wenige Dutzend außerhalb der GUS leben.

 

Von der FCI wird der Hortaya international nicht anerkannt, aber die Rasse ist von allen FCI-Mitgliedsstaaten innerhalb der Grenzen der ehemaligen UDSSR und vielen anderen mitteleuropäischen Staaten national anerkannt. In einigen von ihnen wird die Zucht direkt von der nationalen FCI-Mitgliedsorganisation kontrolliert, in anderen wird der Hortaya von spezialisierten Jagdhundevereinen registriert.

 

Züchter und Besitzer dieser Hunde sind in den Originalzuchtgebieten meist lokale Jäger, die in abgelegenen, oft isolierten Dörfern in der Steppe leben. Nur wenige unter ihnen haben ein Interesse an Ausstellungen. Für sie ist der Hortaya ein wertvoller Jagdhelfer, besonders im Winter. In der Steppe kann ein gut funktionierender Hortaya so viel wert sein wie ein gutes Reitpferd.

 

Der Hortaya gehört zu jenen äußerst seltenen Hunderassen, die bis zum heutigen Tag ausschließlich auf ihre jagdlichen Fähigkeiten und Eigenschaften hin gezüchtet werden. Die Jagd mit Windhunden war nicht nur Sport des Adels, sondern ist bis heute noch eine Lebensnotwendigkeit in den Steppen Russlands. Der gewöhnliche Jäger braucht seinen Windhund zum Leben. Oft ist eine ganze Familie von der Beute ihres Hortaya abhängig. Es gab nie große Zwinger, aber jeder Jäger hatte und hat 2 bis 6 Hortaya und meist noch einen Terrier, der beim Aufstöbern von Hasen mithilft.

 

Der Selektionsprozess ging also sehr langsam vonstatten und die Etablierung dieser Windhundrasse muss für ein so großes Gebiet ziemlich lange gedauert haben. Vor dem 20. Jahrhundert gab es keine Hundezuchtvereine, keine Standards oder Ausstellungen. Niemand züchtete nach Typ oder Standard. Windhunde wurden nur gezüchtet, um zu funktionieren.

 

Manche Züchter hatten ihren eigenen Typ oder wählten einen Hund, weil er sie an einen Vorfahren erinnerte, der ein guter Jäger war. Es gab viele lokale Typen, die sich von Region zu Region und von Züchter zu Züchter veränderten (siehe „Die fünf Haupttypen“).

 

Erscheinungsbild

Hortaya haben einen sehr praktischen Phänotyp: Nichts ist zu extrem, nichts ist zu groß oder zu klein. Sie sind perfekt an ihr Habitat und ihre Arbeit angepasst. Kein Wunder, da diese Rasse nur durch Jagd- und Arbeitsauswahl entstanden ist. 

 

Der Hortaya ist eine der wenigen Rassen, deren Standard nur durch die äußeren Grenzen beschrieben wird und nicht durch einen theoretisch idealen Hund, wie wir ihn bei vielen westlichen Rassen kennen. Erst jetzt, wo viele Windhundbesitzer keine Jäger, sondern Stadtbewohner und Amateure sind, brauchen wir die Rassestandards und Zwingerclubs, um die Eigenschaften unserer Lieblingsrasse zu erhalten. Die ältesten Windhundrassen haben über Jahrhunderte hinweg existiert und die Hauptaufgabe besteht darin, diese Rassen zu retten, ohne sie zu verändern und ganz sicher nicht auf den besten Showlook zu züchten. 

Der Hortaya ist bis heute einer der letzten brauchbaren Jagdhunde und der größte Teil seiner Population wird in kleinen Dörfern in der weiten Steppe gezüchtet, weitab  jeder Stadt. Er nimmt nur selten an Hundeschauen teil, ähnlich wie die anderen Rassen traditioneller Jagdhunde in der ehemaligen UdSSR. Er ist ein unter Jägern sehr bekannter Jagdhund, der bei anderen Hundefreunden aufgrund politischer, wirtschaftlicher und nationaler Besonderheiten in der ehemaligen UdSSR fast unbekannt ist.

 

Er ist mittelgroß bis sehr groß, je nach Typ, denn bei dieser Rasse gibt es fünf verschiedene Typen, mit mindestens ebenso vielen Untertypen. Das Ergebnis ist eine große Vielfalt innerhalb der Rasse, die sich an die Diversität der geografischen, klimatischen und jagdlichen Gegebenheiten in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet anpasst.

 

Die Rassestandards konzentrieren sich auf die Leistung und nicht das Aussehen, aber da bestimmte Merkmale den Hortaya zu einem außergewöhnlichen Jagdhund machen, haben die meisten Hunde ähnliche anatomische Merkmale:

Die Beine sind lang, die Wirbelsäule ist flexibel und der Brustkorb ist im Vergleich zur Taille überproportional tief, um große, kräftige Lungen unterzubringen. Die Ohren sind klein und der Schädel lang und schmal.

 

Rüden sind 65 bis 75 cm groß, Hündinnen 61 bis 71 cm. Das Gewicht hängt stark vom Zuchtschlag ab und kann zwischen 18 kg (Hündin des Stavropoler Schlags) und 35 kg (Rüde des nördlichen Schlags) variieren.

 

Wenn sie keine Beute jagen, ist die typische Gangart des Hortaya ein sanfter, flexibler und leichter Trab. Bei der Verfolgung von Beutetieren bewegt er sich in einem schnellen, langen Galopp. Das kurze, dichte Fell kann eine weitgehend beliebige Farbe haben, denn die wichtigsten Eigenschaften der Rasse sind Gesundheit und Geschicklichkeit, nicht das Aussehen. Dunkel gefärbte Hunde haben normalerweise eine schwarze Nase, während hellere Hunde eine braune Nase haben. Die Augen können mittelbraun bis dunkelbraun sein und haben normalerweise einen schwarzen oder sehr dunklen Rand.

Temperament und Charakter

Der Hortaya hat ein freundliches Temperament. Er sollte keine Aggressionen gegenüber Menschen zeigen, obwohl er durchaus misstrauisch und wachsam sein kann. Aufgrund der strengen Auswahl der Hunde für die vom Menschen geführte Jagd gehört der Hortaya zu den trainierbaren Rassen, die einen guten Grundgehorsam und eine hohe Intelligenz aufweisen.

 

Hortaya sind im Rudelverhalten den einheimischen Landrassen und Wölfen sehr ähnlich. Sie kommen in der Regel gut in großen Gruppen zurecht und interagieren problemlos mit anderen Hunden. Da die eurasische Landbevölkerung in der Regel keine Hunde duldet, die ihrem Vieh schadet, zeigt ein gut sozialisierter Hortaya keine Aggressionen gegenüber Haustieren und lernt als Welpe und Junghund leicht, zwischen Tieren zu unterscheiden, die nicht gejagt werden sollten.

Auf diese Sozialisierung muß aktiv hingearbeitet werden und bei älteren Hunden ist zu prüfen, ob sie z.B. Katzen und andere kleinere Haustiere als Beute betrachten oder nicht. Rüden können eine deutliche Territorialität entwickeln und dabei auch gezielt andere Rüden in ihrem Umfeld angreifen. Deshalb muß der häusliche Garten ausbruchssicher eingezäunt sein und gerade mit fremden Hunden sollte gemeinsamer Freilauf anfangs nicht ohne Maulkorb erfolgen.

Wie die meisten Windhunde, ruhen Hortaya gerne auf weichen Oberflächen, am liebsten leicht erhöht. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass sie keine Fettschicht unter ihrer Haut haben und auch kein dickes Fell, das Gelenke und Knochen abfedert. Nur wenige Hortaya sitzen gerne, da sie aufgrund ihrer Anatomie und der Winkelung der Hüftgelenke diese Position nur schwer einnehmen können. Man sollte daher nicht davon ausgehen, dass der Hund ungehorsam ist, wenn er entweder nur steht oder sich hinlegt. 

Auch wenn man glauben könnte, dass ein solcher Jagdwindhund besonders viel Arbeit braucht, ist das nicht richtig. Normale tägliche Spaziergänge und etwa 2 oder 3 Gelegenheiten in der Woche, bei denen die Hunde frei und schnell laufen dürfen, reichen aus, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. 

 

In diesem Sinne auch eine eindeutige Warnung:

 

Im Internet kursieren einige völlig falsche Beschreibungen der Bedürfnisse dieser Rasse. Deshalb sei hier nachdrücklich klargestellt, dass der Hortaya kein Langstrecken- bzw. Marathonläufer ist, der täglich große Strecken zurücklegen oder auf mehreren Hektar großen Grundstücken leben müßte. Beides paßt nicht zu ihrem ursprünglichen Zweck und der Haltungsweise bei den Jägern, denen sie dienen. 


Im Ursprungszuchtgebiet werden diese Hunde am Haus gehalten, mit und ohne Garten. Aber es gibt auch Züchter, die ihre Hunde in einer Etagenwohnung halten, bzw. in ihrer Datsche. Dem typischen Halter und Jäger fehlt die Zeit, um große Wanderungen bzw. lange Ausritte zu unternehmen. Üblicherweise wird der Hortaya erst ab Ende September für die Winterjagd auftrainiert, gelegentlich sogar erst mit den ersten Jagden. Spaziergänge in normalem Ausmaß, gelegentliches Austoben auf eingezäunten Grundstücken und Radfahren reichen also wirklich prinzipiell aus.


In einer Hundehütte hat der Hortaya wegen seines kurzen Fells ohne Unterwolle  nichts verloren. Jäger nehmen ihre Hunde entweder mit ins Haus oder die Wohnung, oder sie bauen ihnen beheizte Zwinger. Die Rasse braucht engen menschlichen Kontakt, und ist deshalb auf gar keinen Fall für ein selbständiges Bewachen von Grundstücken geeignet.

 

Es ist nicht einfach, den typischen Charakter eines Hortaya zu beschreiben. Dieser Jagdgebrauchshund wurde nie unter strenger Aufsicht des Besitzers gearbeitet, wie z.B. der Deutsche Schäferhund. Ein Windhund erledigt seine Arbeit selbstständig, allerdings in Verbindung mit dem Hundeführer.

 

Was bedeutet das? Jedes natürliche Geläuf ist einzigartig, deshalb muss ein Hortaya  sein eigenes Gehirn benutzen. Nur ein Hund mit Selbstvertrauen und einem starken Willen kann selbstständig denken und arbeiten und ein guter Jäger sein. Aber ein Hund macht die Arbeit für einen Besitzer: Hortaya bringen ihrem Herrn das geschlagene Wild oder zeigen ihm, wo es liegt. Ein Hund sollte nicht ohne die Erlaubnis seines Herrchens zur nächsten Beute laufen.

 

Ein aggressiver, nervöser oder problematischer Hund hat keine Chance auf ein langes Leben oder auf eine Verpaarung.  Die meisten Hunde leben bis heute  halbwild, daher bereitet das Stadtleben die meisten Probleme: Einige Rüden können gegenüber fremden Rüden, die nicht aus ihrem eigenen Rudel sind, aggressiv sein. Hündinnen sind fremden Hunden gegenüber sanfter, können aber im Kontakt zurückhaltender sein, fast wie Wild. Etwa 10 % der Population haben diesen unantastbaren Charakter. Sie müssen buchstäblich gezähmt werden.

 

Hortaya sind in der Regel kontaktfreudig und lassen sich leicht von ihrem Herrchen oder Frauchen lenken. Sie haben keine Probleme mit Halsband oder Leine, bevorzugen aber eine Hands-Off-Politik. Während andere Hunde sich aktiv darum bemühen, ihnen unbekannte Kommandos zu verstehen, können Hortaya  unverständliche Aufforderungen einfach als zu fremdartig empfinden, um sie zu befolgen. Sie werden dann ziemlich distanziert und unnahbar. Das wird manchmal für Dummheit oder Unempfänglichkeit gehalten. Stattdessen ist es einfach eine ruhige Erinnerung an die Tatsache, dass sie Befehle missachten, die ihnen nicht klar sind. 

 

Einige Hortaya verhalten sich zu Hause ganz ähnlich wie Wölfe, was bedeutet, dass sie in der ursprünglichen Rudelsprache recht geerdet sind. Sie bellen und benutzen ihre Stimme nur selten. Der Hortaya ist ein Rudeltier ohne Beschützerinstinkt und schließt sich daher sehr leicht jedem Rudel an.  

 

Wie verhalten sie sich gegenüber anderen Hunden und Tieren?

 

Hortaya haben - wie andere Windhunde auch - eine schnelle Reaktion auf alles, was sich bewegt, daher muss man bei Katzen und anderen Kleintieren sehr aufmerksam sein. Normalerweise verhalten sich Hortaya gleichgültig gegenüber Menschen und Hunden: nicht aggressiv, nicht interessiert. Wenn sie in der Jugend mit normalen und ruhigen Hunden und Menschen sozialisiert wurden, gibt es später keine Probleme mit anderen Hunden. 

Verwendungszweck

In seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet ist der Hortaya immer noch ein reiner Jagdhund. Er wird für die Jagd auf Steppentiere eingesetzt, insbesondere für die Jagd auf Hasen, Füchse, Schakale, Wölfe und Antilopen. Er ist extrem widerstandsfähig und mehrere Jagden pro Tag (einschließlich der Verfolgung der Beute zusammen mit dem Jäger über weite Strecken) sind ein für ihn machbares Pensum.

 

Anders als der Whippet oder Barsoi ist der Hortaya kein Kurzstreckensprinter. In der offenen Steppe wird das Wild in der Regel über Entfernungen von bis zu vier Kilometern gejagt. Der Hortaya kann eine solche Verfolgung nach einer kurzen Pause wiederholen. Im Gegensatz zu den meisten Windhunden jagt der Hortaya nicht nur mit den Augen, sondern spürt Beute, die er aus den Augen verloren hat, auch mit seinem gut entwickelten Geruchssinn auf.

 

Hortaya jagen einzeln auf Kleinwild und als Paar oder in Gruppen Wölfe, Antilopen und Rehe. Kleinwild wird gejagt und sofort getötet, größeres Wild wird eingekesselt und an Ort und Stelle gehalten, bis der Jäger eintrifft. Der Hortaya hat ein "weiches Maul" ähnlich den Retrieverrassen. Nach dem schnellen Töten darf er das Fell des Tieres nicht ruinieren. In der GUS werden Jagdwindhunde regelmäßig in Jagdprüfungen geprüft, getestet und bewertet.

 

Seit den späten 1970ern gelangen regelmäßig Hortaya nach Polen und werden dort jagdlich und oftmals auch züchterisch eingesetzt. Ab circa 2000 werden Hortaya auch in weitere europäische Länder importiert, z.B. in die Tschechische Republik, die Slowakei, Deutschland (2004), Finnland, Italien, Polen und die Schweiz. Im Jahr 2005 wurde der erste Hortaya auch in die Vereinigten Staaten exportiert. Einige dieser Hunde nehmen an Rennen und Coursings teil, oft außerhalb der offiziellen Wertung, da sie von der FCI nicht international anerkannt sind. Europäische Hortaya nehmen auch an Agility-Wettbewerben teil und haben sich als hervorragende Begleiter für Reiter erwiesen. Der erste registrierte Wurf außerhalb seines historischen Heimatlandes wurde 2006 in Europa geboren.

Gesundheit

Hunde dieser Rasse sind eher Spätentwickler und langlebig. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass ältere Hunde, nach einer aktiven Jagdkarriere im Ruhestand, ihre Zuchtkarriere im Alter von 8 oder 9 Jahren mit hervorragender Gesundheit und ohne Störungen beginnen. Rassespezifische Krankheiten oder Erbkrankheiten wie Hüft- und Ellbogendysplasie sind bei der Rasse bisher nicht aufgetreten. Die Langlebigkeit des Hortaya  hängt weitgehend davon ab, wie der Hund sein Leben lang genutzt wird. In Regionen, in denen Großwild, insbesondere Raubtiere, gejagt werden, kann es einen ziemlich hohen Prozentsatz an Hunden geben, die als Jungtiere bei der Jagd getötet werden. Abgesehen von diesen Gefahren sind 14-16 gesunde Jahre für diese Rasse keine Seltenheit.

 

 

Die Zucht

Im Gegensatz zur Praxis westlicher Züchter anderer Hunderassen wird der Hortaya nicht als unfertige Rasse betrachtet, die noch einer Verbesserung oder gar Formierung bedarf.

 

Der kurzhaarige Windhund der südlichen eurasischen Steppe, der heute unter dem Namen Hortaya Borzaya firmiert, wurde in diesem Lebensraum über Jahrtausende gezüchtet, ist eine Rasse, die so alt ist wie der Tazi/Saluki und nur unwesentlich jünger als der Bakhmul/Afghane. Für Neulinge wäre es unklug, sich von dem relativ jungen Standard täuschen zu lassen.

 

Ähnlich wie bei den orientalischen und asiatischen Vollblutpferderassen, betrachten die ursprünglichen Züchter der Hortaya sie zu Recht als fest konsolidiert.  Eine Verbesserung in irgendeine Richtung gehört daher nicht zur Zucht von Hortaya. Dies ist ein wichtiger und massiver Unterschied zur westlichen Art der Hundezucht und hat weitreichende, sehr positive Folgen für die Zuchtpraxis.

 

Da keine Veränderungen angestrebt werden, sind die bei anderen Rassen angewandten Zuchtmethoden wie Inzest, Inzucht oder Linienzucht praktisch nicht existent. Diese Methoden sind unter Hortaya-Züchtern ernstlich verpönt. Es ist äußerst selten, dass Vorfahren in den ersten 4-6 Generationen eines Stammbaums zweimal vorkommen. Hortaya-Züchter bemühen sich sogar um einen möglichst weitgehenden Outcross. Das ist ein wichtiger Grund, warum die Rasse trotz ihrer relativ kleinen Population so gesund ist.

 

Eine weitere Folge ist die Anwendung des Rassestandards. Er beschreibt keinen "idealen Hund", auf den gezüchtet werden sollte, wie es bei anderen Hunderassen der Fall ist.

 

Stattdessen ist der Hortaya-Standard ein Ausschlussstandard: Er beschreibt nur und sehr einfach die Grenzen, außerhalb derer ein Hund nicht als akzeptabel angesehen wird. Alles andere wäre sinnlos, denn es ist das aktive Bestreben der Züchter, die große Vielfalt an Typen und Untertypen der Rasse zu erhalten, die für den Laien wie völlig unterschiedliche Rassen aussehen können.

 

Außerdem ist bei den Hortayas die Jagdfähigkeit das Maß aller Dinge, alles andere ist bei der Auswahl zweitrangig.

 

Damit wird auch klar, warum eine internationale Anerkennung dieser Rasse durch die FCI von den meisten Hortaya-Liebhabern als nicht sehr erstrebenswert angesehen wird. Die Zuchtpraxis der Rasse, ihr konsolidierter Zustand und ihre wirklich extreme phänotypische Vielfalt passen nicht wirklich in die aktuelle Zucht- und Bewertungspraxis der heutigen FCI oder eines anderen großen kynologischen Verbandes. Jede internationale FCI-Anerkennung, die nicht zu einem unmittelbaren Schaden für die Rasse führen würde, erfordert umfangreiche, wichtige Vorarbeit und jahrzehntelange Vorbereitung. Derzeit wäre die direkte und unmittelbare Folge die unerwünschte Trennung in Show- und Arbeitslinien sowie in westliche und ursprüngliche Hortaya.

Die fünf Haupttypen der Rasse

Der Hortaya wurde und wird seit vielen Jahrhunderten in einem so weitläufigen Gebiet gezüchtet, dass es kein Wunder ist, dass sich viele lokale Typen und Varianten entwickelt haben, die die notwendige genetische Variation, Gesundheit, Lebensfähigkeit und Zukunft für diese Rasse gewährleisten.

 

Traditionell befindet sich der größte Teil der Population in den Händen von einheimischen Jägern, die ihre Zuchthunde seit Generationen von Vater zu Sohn weitergeben und meist mündlich tradierte Stammbäume ihrer Familienzucht führen. Das zwanzigste Jahrhundert brachte jedoch nicht nur ein neues Zuchtsystem (Vereine, Ausstellungen, schriftliche Stammbäume und einen offiziellen Standard) mit sich, sondern sorgte auch für die allgemeine Abwanderung und Zerstörung der menschlichen Bevölkerung im Lebensraum der Hortaya während des 1. und 2. Weltkrieges.

 

Der Hortaya kann nur in enger Verbindung mit seinem Besitzer leben, daher haben alle Probleme in der Bevölkerung auch seine Population betroffen. Aber die Rasse hat auch viele Reserven, denn sie ist eine ursprüngliche Rasse und ihr Lebensraum ist sehr groß. Heute unterscheiden wir etwa 5 Haupttypen und einige Untertypen, die Merkmale des einen oder anderen Grundtyps vereinigen, sich aber noch nicht als eigene Typen konsolidiert haben.

 

 1. Stavropol-Typ

Der sogenannte Stavropol-Typ ist sehr trocken und äußerst elegant. Die Hunde haben meist leichte Knochen und sind klein bis höchstens mittelgroß. Ihre sehr eleganten und trockenen Köpfe können spitze Schnauzen haben.



2. Ukrainischer Typ

Dieser Typ hat sich in den letzten 20 Jahren auf der Grundlage der Stavropol-Hunde und einiger alter ukrainischer Hunde entwickelt. Mittelgroß bis groß, mit langen dreieckigen, etwas größeren Köpfen mit einer meist geraden Oberlinie. Die Schnauze ist voller, aber das ganze Erscheinungsbild ist elegant und schlank. 

 

3. Nördlicher Typ (Sankt Petersburger Typ)

Der nördliche Typ ist meist groß, aber immer noch ein eleganter Hund mit starken Knochen und langen Köpfen. Die Köpfe sind manchmal etwas schmal im Schädel und der ganze Typ ist etwas näher am alten Typ des Barsois.

 

4. Rostov-Typ

Der sogenannte Rostov-Typ ist mittelgroß bis groß, mit starken, sogar derb erscheinenden Hunden mit schweren Köpfen, die im Schädel etwas breiter sind.

 

Gut repräsentiert durch:

5. Wolgograder Typ

Der Wolgograder Typ ist ein kräftiger, mittelgroßer Hund, der dem alten Gorki ähnelt, d.h. die Ohren können leicht hängen und der Kopf ist etwas kürzer.

Bildergalerie Typenvielfalt

Russland

Bildergalerie Typenvielfalt

Ukraine

Empty


Print   Email